Sibylle Lewitscharoff liest “Apostoloff”
Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff
Verlag: Suhrkamp
Gebunden, 247 Seiten
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-518-42061-4
Verlagstext // Zwei Schwestern. Die eine auf der Rückbank, die andere auf dem Beifahrersitz, die eine scharfzüngig und kampflustig, die andere nachsichtig und höflich: Sie sind unterwegs im heutigen Bulgarien. Auf der ersten Hälfte ihrer Reise waren sie Teil eines prächtigen Limousinenkonvois, der die Leichen von 19 Exilbulgaren – in den Vierzigern von Sofia nach Stuttgart ausgewandert – in ihre alte Heimat überführte. Darunter der frühverstorbene Vater der Schwestern. Jetzt sind sie Touristinnen, chauffiert vom langmütigen Rumen Apostoloff. Er möchte den beiden die Schätze seines Landes zeigen, die Keramik mit Pfauenaugendekor (dessen Kobaltblau giftig ist), die Schwarzmeerküste (komplett versaut), die Architektur (ein Verbrechen des 20. Jahrhunderts). Die Jüngere, die Erzählerin, spuckt Gift und Galle.
Apostoloffs Vermittlungsversuche zwischen Sofia und Stuttgart sind zunächst wenig erfolgreich. Denn das bulgarische Erbe der Schwestern wiegt schwer – wenn der Vater, der erfolgreiche Arzt und schwermütige Einwanderer, in ihren Träumen auftaucht, schlängelt das Ende des Stricks, an dem er sich erhängt hat, noch hinter ihm her. Doch dem »Unglück, das dieses Aas von einem Vater auf Häupter und Herzen seiner Töchter geladen hat« wird nicht auf melancholische Art begegnet.
Hier eine Aufnahme einer Lesung Sibylle Lewitscharoffs im Berliner Brecht-Haus:
Presseecho: „Apostoloff“ ist das persönlichste Buch von Sibylle Lewitscharoff, das mit dem erkennbar höchsten autobiographischen Anteil… [ ] … Diese Sprache kann viel, muss vieles können, am Ende gar Tote zum Leben erwecken. Dass es daran immer wieder scheitert, anders scheitert, besser scheitert, gehört zum Wesen dieses Werks. (FAZ)
Diese Stimme hat es in sich. Sie ist scharf, spitz und unverkennbar weiblich. Eine Tochter hebt zu sprechen an – aber was heißt schon zu sprechen: sie spottet, hetzt, zetert, singt, kichert, schimpft, schwärmt, deklamiert, agitiert und zieht sämtliche Register der aristotelischen Redekunst. Ein Sturm geht auf uns nieder, ein töchterliches Redegeprassel, eine leidenschaftliche Abrechnung mit dem brutal entschwundenen Vater, wie man sie so noch nicht gelesen hat. (Maike Albath, Frankfurter Rundschau)
Sibylle Lewitscharoff kann schreiben und schäumen. Sie formuliert einfalls- und anspielungsreich, bissig, launig verspielt und aus einem Geist, wie er nicht nur in Bezirken weiblichen Schreibens eher selten vorkommt. (Eberhard Falcke, Die Zeit)
Sibylle Lewitscharoff hat einen mitreißenden Roman geschrieben; eine schräge Komödie mit Zügen ins Groteske; angesiedelt zwischen Theologie und brachialem Realismus, ausgestattet mit einer Erzählerin, die Trauer und Trauma in Wut und Verachtung ummünzt. (Christoph Schröder, Die Tageszeitung)
